Cluster-Kopfschmerz-Attacken mit Verapamil vorbeugen
Ein vollständiger Leitfaden zu Verapamil bei Cluster-Kopfschmerz: Wie Sie die richtige Dosis finden, das Medikament sicher einnehmen und mit Nebenwirkungen umgehen.
Geschrieben von Alfredo Parra, PhD
Medizinisch geprüft von Dr. Enrico Venturini
Die Standard-Erstlinienprophylaxe (in ausreichend hoher Dosierung)
Verapamil ist ein Herzmedikament, das bei Cluster-Kopfschmerz als vorbeugende Behandlung der ersten Wahl eingesetzt wird. Seine Wirkung bei Cluster-Kopfschmerz wurde erstmals 1983 in einer Fallserie mit fünf Patient:innen beschrieben.[6][7] Wenn Ihre neurologische oder kopfschmerzmedizinische Praxis mit Cluster-Kopfschmerz vertraut ist, wird Verapamil mit ziemlicher Sicherheit die erste Behandlung sein, die man Ihnen anbietet – unabhängig davon, ob Ihr Cluster-Kopfschmerz episodisch oder chronisch ist.
Die Leitlinie der European Academy of Neurology aus dem Jahr 2023 empfiehlt Verapamil in einer Konsensempfehlung als vorrangige vorbeugende Therapie bei Cluster-Kopfschmerz, und 2025 nahm die Weltgesundheitsorganisation Verapamil eigens für Cluster-Kopfschmerz in ihre Modellliste unentbehrlicher Arzneimittel auf.[2][3] Obwohl Verapamil routinemäßig als wichtigste vorbeugende Behandlung eingesetzt wird, wird es bei Cluster-Kopfschmerz off-label verwendet: Keine Zulassungsbehörde hat es speziell für diesen Einsatz zugelassen.[8]
Die bei Cluster-Kopfschmerz verwendeten Dosierungen (240 bis 960 mg/Tag, manchmal höher) entsprechen ungefähr dem Doppelten der Dosierungen, die bei Bluthochdruck eingesetzt werden, und sie erfordern eine Überwachung mittels Elektrokardiogramm (EKG), um sie sicher anzuwenden.[2] Während der Auftitrierung entwickelt etwa 1 von 3 Patient:innen einen langsamen Herzschlag und etwa 1 von 5 eine Veränderung des Herzrhythmus oder der Erregungsleitung.[4][2] Die meisten dieser Veränderungen haben geringe Auswirkungen und werden durch Anpassung der Dosis beherrschbar, aber sie sind der Grund, weshalb eine Überwachung ein Muss ist.
Wie Sie Verapamil bei Cluster-Kopfschmerz einnehmen
Verapamil wird täglich eingenommen, in einer Dosis, die über Wochen langsam ansteigt. Es dient dazu, künftige Attacken zu verhindern, und nicht dazu, eine laufende Attacke zu beenden.
Ein typisches Protokoll könnte wie folgt aussehen, beginnend am Anfang Ihres Cluster-Zyklus (oder idealerweise kurz davor; bei chronischem Cluster-Kopfschmerz jederzeit):
- Zuerst wird ein Ausgangs-EKG erstellt. Wenn alles gut aussieht, beginnen Sie anschließend mit der Einnahme von 240 mg/Tag Verapamil mit sofortiger Wirkstofffreisetzung (80 mg dreimal täglich).
- Wenn Sie sich in einem Zyklus befinden, kann zusätzlich zu Verapamil eine kurze Behandlung mit Prednison (oder eine Blockade des Nervus occipitalis) verordnet werden. Diese Behandlungen können die Attacken in den 2 bis 3 Wochen reduzieren, in denen Verapamil erst zu wirken beginnt (sie können aber nicht langfristig eingesetzt werden).
- Sie erhöhen die Dosis dann alle 1 bis 2 Wochen um 80 mg, mit einem EKG vor jeder Erhöhung. Wenn Sie sich bereits in Ihrem Cluster-Zyklus befinden, ist möglicherweise eine schnellere Erhöhung möglich.
- Die meisten pendeln sich im Bereich von 360 bis 720 mg/Tag ein, auch wenn Verapamil bei einigen schon in niedrigeren Dosen wirkt. Manche benötigen jedoch 960 bis 1.200 mg/Tag.
- Sobald Sie eine wirksame Dosis erreicht haben, bleiben Sie dabei. Bei episodischem Cluster-Kopfschmerz bleiben Sie während des gesamten Zyklus plus einiger Wochen bei Verapamil und schleichen es dann allmählich aus. Bei chronischem Cluster-Kopfschmerz bleiben Sie dauerhaft dabei.
- Solange Sie Verapamil einnehmen, werden weiterhin regelmäßig EKGs erstellt, da Veränderungen auch nach Jahren unter einer stabilen Dosis auftreten können.[2][9] Die Leitlinien legen kein festes Intervall fest; bei hohen Dosierungen empfehlen wir, Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um ein EKG alle 2 bis 6 Monate zu bitten.
Das vollständige Schema finden Sie auf der Protokoll-Seite.
Ein typisches Verapamil-Protokoll.
Die Wirksamkeit von Verapamil
Die vorliegenden Daten sind ermutigend, doch wie groß der Anteil der Betroffenen ist, die Linderung finden, und wie stark diese Linderung ausfällt, ist noch unklar.
In einer placebokontrollierten, randomisierten Studie erlebten 80% der Betroffenen mit episodischem Cluster-Kopfschmerz bei Einnahme von 360 mg/Tag nach 14 Tagen eine Reduktion der Attacken um mehr als 50%, verglichen mit 0% unter Placebo.[1] Eine gepoolte Analyse der Betroffenen mit episodischem Cluster-Kopfschmerz aus zwei offenen Studien (85 Personen) ergab, dass bei etwa 87% die Attacken ganz aufhörten oder um mindestens 50% zurückgingen.[10]
Die Daten aus Patientenbefragungen sind weniger eindeutig. Eine systematische Übersichtsarbeit über Befragungen von Rusanen und Kolleg:innen ergab, dass nur etwa 50% der Patient:innen, die Verapamil versucht hatten, positiv darauf ansprachen.[5] Befragungen sind für verschiedene Verzerrungen anfällig, und es ist auch möglich, dass einige der Befragten dem korrekten Protokoll nicht gefolgt sind (insbesondere keine ausreichend hohe Dosis erreicht oder nicht lange genug auf die Wirkung gewartet hat).
Für die nennenswerte Minderheit, die bei keiner Dosis anspricht, gibt es andere Optionen. Wir empfehlen unseren Leitfaden zu vorbeugenden Behandlungen, um mehr darüber zu erfahren und eine Therapie zu finden, die für Sie funktioniert.
Quellen (10)
- ↩ Leone M, D'Amico D, Frediani F, et al. (2000). Verapamil in the prophylaxis of episodic cluster headache: a double-blind study versus placebo. Neurology, 54(6), 1382–1385. Link
- ↩ May A, Evers S, Goadsby PJ, Leone M, Manzoni GC, Pascual J, et al. (2023). European Academy of Neurology guidelines on the treatment of cluster headache. European Journal of Neurology, 30(10), 2955–2979. doi:10.1111/ene.15956
- ↩ Tassorelli C, Lampl C, Leone M, et al. (2026). WHO's essential medicines list: additions for migraine and cluster headache. Cephalalgia. Link
- ↩ Cohen AS, Matharu MS, Goadsby PJ (2007). Electrocardiographic abnormalities in patients with cluster headache on verapamil therapy. Neurology, 69(7), 668–675. Link
- ↩ Rusanen SS, De S, Schindler EAD, Artto VA, Storvik M (2022). Self-reported efficacy of treatments in cluster headache: a systematic review of survey studies. Current Pain and Headache Reports, 26(8), 623–637. Link
- ↩ Meyer JS, Hardenberg J (1983). Clinical effectiveness of calcium entry blockers in prophylactic treatment of migraine and cluster headaches. Headache, 23(6), 266–277. doi:10.1111/j.1526-4610.1983.hed2306266.x
- ↩ Coppola G, Arruda MA, Ashina M, Barloese M, et al. (2025). Hallmarks of primary headache: part 3 – cluster headache. Journal of Headache and Pain, 26, 196. doi:10.1186/s10194-025-02145-6
- ↩ de Freitas Dias B, Robinson CL, Villar-Martinez MD, Ashina S, Goadsby PJ (2025). Current and novel therapies for cluster headache: a narrative review. Pain and Therapy, 14(1), 1–19. doi:10.1007/s40122-024-00674-7
- ↩ Lantéri-Minet M, Silhol F, Piano V, Donnet A (2011). Cardiac safety in cluster headache patients using the very high dose of verapamil (≥720 mg/day). Journal of Headache and Pain, 12(2), 173–178. doi:10.1007/s10194-010-0289-x
- ↩ Pompilio G, Migliore A, Integlia D (2021). Systematic literature review and Bayesian network meta-analysis of episodic cluster headache drugs. European Review for Medical and Pharmacological Sciences, 25(3), 1631–1640. doi:10.26355/eurrev_202102_24874
Haben Sie in diesem Leitfaden etwas über Cluster-Kopfschmerzen gelernt, das Sie umsetzen werden?
Kapitel
- 1. Verapamil-GrundlagenWie Verapamil bei Cluster-Kopfschmerz wirkt, die richtige Dosierung, wer es nicht einnehmen sollte und die häufigsten Nebenwirkungen.
- 2. Wie Sie Verapamil einnehmenWie Verapamil bei Cluster-Kopfschmerz dosiert wird: Anfangsdosis, Titrationsschema, sofortige versus verzögerte Wirkstofffreisetzung und Vorschläge zum Timing.
- 3. Sicherheit und ArzneimittelwechselwirkungenWelche Wechselwirkungen mit Verapamil Sie vermeiden sollten, wer es nicht einnehmen darf, was Sie vor Beginn prüfen sollten und was im Notfall zu tun ist.
- 4. Häufig gestellte FragenHäufige Fragen zu Verapamil bei Cluster-Kopfschmerz: Dosis, Nebenwirkungen, EKG-Überwachung, Schwangerschaft, Psychedelika und wie Sie in Ihrer Praxis darüber sprechen.
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